Über uns

Nein das Kino Stüssihof war nicht das älteste Sexkino in der Stadt. Das Kino Stüssihof wurde 1960 in die Altstadtliegenschaft Stüssihofstatt 13 eingebaut, vorher war ein Kaffee in im Obergeschoss, sogar der schöne Erker über dem Eingang ist nicht aus der guten alten Zeit, er wurde beim Umbau Anfangs der 50er Jahre an die Fassade angebracht. Das galt damals einfach als schick.

Das Kino Stüssihof wurde je nach Quelle, am 6. oder 5. Oktober 1960, mit dem Film "Die 5 Pennies" oder "Der Glückspilz" mit Danny Kaye und Louis Armstrong eröffnet. Auch sind seinerzeit ganz gerne Sittenfilme gezeigt worden – natürlich erst ab 18 Jahren. Der Namen Kino Stüssihof wurde dann von Herrn Hans Schneider 1976 in "City" umgetauft und galt als Art Studio Kino. Studio Kinos waren zu der Zeit gerade en vogue. Herr Hans Schneider verkaufte das Kino Anfangs 1980 an Edi Stöckli, im ersten und im zweiten Stock installierten sich die Büros der Edi A. Stöckli Kinobetriebe AG, die heutigen EAST CINEMAS AG. Das Kino eröffnete mit dem Film "Dällebach Kari" von Kurt Früh und es wurde als Reprisenkino programmiert, was zur damaligen Zeit, durchaus noch ein Geschäftsmodel hätte sein können. Allerdings wurden immer mehr private TV Programme aufgeschalten und das Videozeitalter begann. Filme aus der Konserve für den Fernseher zu hause. Die Kinoprogramation musste angepasst werden. Es wurde vermehrt auf Kultfilme und Musikfilme gewechselt, es wurde Filmkunst gespielt. Wir bekamen sogar solche Premieren wie den ersten Film von Udo Lindenberg. Auch "Jubilee" von Derek Jarman lief im Kino Stüssihof. Die Premiere von "The Great Rock'n Roll Swindle", der Sex Pistols Film war ebenfalls im Kino Stüssihof, es gab Hamburger und Cola, sowie kleinere Sachbeschädigungen, die anscheinend auch heute noch passieren, wenn der Film wieder mal in einem Kino gespielt wird. Weiter kamen Filme wie "The Harder They Come" mit Jimmy Cliff, sowie David Bowie's "The Man Who Felt To Earth". Ja sogar Arnold Schwarzenegger kam mit "Stay Hungry" zu Ehren, seinem 2. Film seiner Schauspielerkarriere, kurz vor seinem grossen Actionhelden Aufstieg.

In den Nocturnes um Mitternacht liefen Musikfilme, die Leute fanden es super, nur kamen sie nicht in das Kino. Ob es der Umbau der Altstadtkanalisation war, die Drogenszene auf dem Hirschenplatz, das Geschäft lief nicht sonderlich gut. So erinnerte man sich doch gerne wieder an die Sittenfilme, die es ja auch in den Achtzigern noch gab, allerdings unter dem Namen Pornofilm und so wurde aus dem "City" ein Pornokino mit dem alten Namen "Stüssihof" und eröffnete am 28.2.1981 mit dem Film „Leos Leiden".

Die EAST CINEMAS AG musste 1995/1996 dank Wohnanteilsplan ausziehen und zog an die Dienerstrasse und das Haus zur Linde wurde danach dementsprechend umgebaut.

Nach dem Umbau entstand im ersten Stock im ehemaligen Frisörsalon ein zweiter Kinosaal. Der Kinoeingang wurde versetzt und ist von da an durch eine Miniarkade erreichbar. Es gab zwei Filme für einen Eintritt und auch eine Kabinenarkade, sowie einen DVD-Kiosk im Foyer. Natürlich verschwand auch die Operateurkabine, die Zeit des 35 mm Films war im Pornobusiness längst Geschichte. Die Filme wurden ab professionellen DVD Playern, später ab Server abgespielt und mit Beamer auf die Leinwand gebracht. Das digitale Zeitalter hatte begonnen. Der Besucher konnte das Kino auch durch Edi's Weinbar verlassen, wo jeden Monat ein neuer Künstler seine Erotisch/Pornografischen Werke unter der Leitung des Museums Of Porn In Art, ausstellte und noch immer ausstellt. Natürlich gibt es in Edi's Weinstube auch eine schöne Auswahl an phantastischen Weinen zu extrem fairen Preisen.

Die Zeit steht nie still und das Gesicht der Zürcher Altstadt veränderte sich, vor allem in der nächsten Nachbarschaft. Das Erotik-Kino Etoile schloss 1985 die Tore, aus dem Striptease Club "Red House" wurde das "Polygon", ein Cabaret mit Travestie. Danach kam das "ZIC ZAC" ein Lokal wie das Hard Rock Cafe. Die Liebesdienerinnen verschwanden an der Marktgasse. Im Hotel "Goldenen Schwert", entstand anstelle der "Rotisserie" und des "Swiss House" (ehemals Perroquet) das "Tamara und Marisa", ein Schwulenetablissement mit Francis Delon. Das ist seit Februar 2013 leider auch Geschichte. So war die Marktgasse auch trockengelegt und das Stüssihof, als letztes Pornokino in der Altstadt, hatte somit auch keine Zukunft mehr.
"Stüssihof ohne Kino geht nicht", sagte Edi Stöckli, "Wir machen ein Kino mit einem zeitgemässen Angebot".
Also legen wir mit dem neuen Kino Stüssihof, nach langer Umbauphase los.

Peter Preissle

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